Der schwarze Sonntag

Mit Kind gemeinsam einsam – Warum Single Mamas gerade das Wochenende fürchten und Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen den Kinder-Koller

Inzwischen macht mir mein sogenannter „Familienstand“ gar nichts mehr aus. Im Gegenteil, ich bin stolz auf mich und mein Söhnchen. Wir kriegen das miteinander richtig gut hin, haben eine gute Zeit zusammen. Fast immer fühle ich mich vollständig und nicht mehr gescheitert. Ich weiß, dass unsere kleine Familie in sich perfekt ist.

Wie gesagt – fast immer. Unter der Woche sind wir eh vielbeschäftigt: In der ersten Tageshälfte Arbeit und Tagesmutter, in der zweiten dann wahlweise Zuhause rumhängen, auf Spielplätze oder zur Spielgruppe gehen, Einkaufen gehen, mal einen Ausflug, etc. pp. Da merke ich gar nicht, dass etwas fehlen könnte. Und wenn ich mal ein Wochenende „kinderfrei habe“, dann stürze ich mich ins Erwachsenenleben oder gammle genüsslich rum. Da fehlt mir nichts, weil ich weiß, dass mein Kind bald wieder zurückkommt. Mir geht’s bestens.

Aber… es gibt diese Wochenenden. Ihr kennt sie bestimmt alle. Vor allem die Sonntage:
Die kinderlosen Paare waren auf einem Event für kinderlose Paare (Wandern, Bouldern, Städtetrip) und gehen vormittags gemütlich aufs nächste Event (Brunchen). Die kinderlosen Singles waren auf einer Party und müssen ausschlafen. Die Mamas, die mit den Papas noch zusammen sind, freuen sich, dass diese mal da sind. Endlich Familienzeit. Dritte sind da nicht so gern gesehen. Ich kann das ja auch verstehen – Zeit allein mit seinen Lieben zu verbringen, ist ja auch wichtig und rar. Wenn man Glück hat, haben dann die eigenen Eltern Lust und Zeit, das Enkelkind zu sehen. Aber auch die haben eigene Freizeitvorstellungen und Erholungsbedarf, vor allem, wenn sie wie meine voll berufstätig sind und sich auch noch um andere Familienangehörige kümmern müssen.

Und dann… hängt man alleine. Klar ist es schön, exklusive Zeit mit dem Kind zu verbringen und ohne Zeitdruck herumzubummeln. Aber nach fünf, sechs Stunden, in denen man permanent in Kuscheltier-Stimme gesprochen hat, möchte man sich auch mal mit einem Erwachsenen unterhalten. Und wenn man den ganzen Nachmittag die lieben Kleinen davon abhält, mit dem Laufrad auf die Straße zu fahren, immer noch nicht zum Duschen gekommen ist und schlicht sehr müde ist… da wünscht man sich, ein paar Minuten die Verantwortung abgeben. Es ist dieses ununterbrochene Verantwortlichsein, das schlaucht. Das merke ich vor allem an diesen schwarzen Sonntagen. Man gibt und gibt und gibt – den ganzen Tag, und die Kraft muss man (irgendwoher) aus sich selbst schöpfen.

Da denke ich manchmal, wie gut es doch wäre, wenn jetzt jemand da wäre, der einem auch mal Aufmerksamkeit schenkt. Der morgens den Kaffee macht und sich mit dem Kind beschäftigt, während man in Ruhe (!) duscht. Dann sitzt man gemeinsam am Frühstückstisch und später macht man einen tollen Sonntagsausflug zu Zielen, die alleinerziehend mit Kleinkind nur unter höchster Anstrengung zu bewältigen sind (… Schwimmbad!). Träum weiter: Es gibt ja gute Gründe dafür, warum das einem selbst offenbar nicht gegönnt ist. Und sich schnellstmöglich irgendeinen anderen anzulachen, der die vermeintliche Lücke füllt, kann ja auch nicht Ziel und Lösung sein. Also muss es anders gehen. Ich muss zugeben, manchmal gelingt es mir gut, manchmal aber auch nicht. Dennoch: Hier meine Erste-Hilfe-Liste bei schwarzen Sonntagen. Diese Strategien haben mir schon sehr oft geholfen – vielleicht findet ihr ja eine gute Anregung für euch!

Erste Hilfe bei schwarzen Sonntagen

Akzeptieren, wie es ist. Leichter gesagt, als getan, wenn scheinbar alle anderen eine phantastische Zeit haben und du nur glückliche Familien um dich herum siehst. Dennoch, sich die ganze Zeit auszumalen, wie viel besser es mit einem passenden Familienvater wäre, nützt dir leider gar nichts. Ich stelle mir manchmal lebhaft einen Ehestreit zwischen den vermeintlich glücklichen Paaren vor, oder führe mir bewusst vor Augen, was ich an Beziehungsstress hinter mir gelassen habe. Das hilft in manchen Momenten ungemein.

Verbünde dich. Du brauchst dringend Leute, denen es ebenso geht wie dir. Es müssen nicht unbedingt andere Alleinerziehende sein – Es gibt auch viele Mütter, deren Partner am Wochenende arbeiten müssen. Schau dich beim VAMV um, vielleicht findest du 1-2 nette Ein-Eltern-Familien, die euch herzlich gern um sich haben am Wochenende.

Mach’s dir schön! Ich versuche, auch allein mit Kleinkind Wochenendgefühl aufkommen zu lassen. Ich mache Musik an, backe Pfannkuchen zum Frühstück, hänge ewig im Schlafanzug rum, lasse mich treiben. Es hilft, wenn man eine einzelne Aktivität plant (Ausflug ins Wildgehege) und alles andere darum herum laufen lässt. Wenn du einen richtig schwarzen Sonntag erwischt hast, mach bloß nichts den Kindern zuliebe, was du furchtbar findest (Indoor-Spielplatz), sondern stattdessen eine erwachsenenerträgliche Alternative.

Mach’s dir schön einfach! Wenn ich keine Lust zu kochen habe, dann gibt‘s halt mal Fertig-Minipizza. Darüber, warum man die lieben Kleinen auch mal fernsehen lassen kann, habe ich hier schon mal geschrieben. Man darf gern mal ein paar Regeln schleifen lassen. Das Kind will auf dem Wohnzimmersideboard sitzend Mittagessen??? Warum eigentlich nicht?

Geh raus! Oft ist die schlechte Laune verflogen, sobald man einen Fuß an die frische Luft setzt. Das gilt für Kleinkinder genauso wie für Erwachsene. Und die Thermoskanne Kaffee oder Tee auf dem Spielplatz hilft bei Kälte ebenso wie bei Müdigkeit.

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