Lebt wohl, ihr süßen Babyschuhe

Babysachen verkaufen. Vom finanziellen Zubrötchen zum heilsamen Abschiednehmen vom zweiten Kind. So schaffst du es, die emotional stark besetzten Babysachen loszulassen.

Ich wollte immer schon zwei Kinder. Vielleicht auch drei. Seit ich denken kann, habe ich mir diese Bilderbuchfamilie gewünscht: Mama, Papa, Sohn, Tochter. Aber ungefähr ein Jahr, nachdem Wunschkind Nummer eins das Licht dieser Welt erblickte, wurde mir klar, dass aus dieser Vorstellung niemals Realität werden sollte. Zumindest nicht nach traditionellen Vorstellungen (=alle Kinder vom selben Vater). Aber da standen ohnehin andere Dinge im mentalen Vordergrund: Psychisch überleben und körperlich nicht zusammenklappen zum Beispiel. Ein zweites Kind war da weit, weit weg.

Ein weiteres Jahr später hatte ich meine Arbeitsstunden reduziert, da das Pensum nicht zu schaffen war und ich mehr Kraft für den Kleinen haben wollte. Leider mit der unerwünschten Nebenwirkung von akuter Geldverknappung. Gepaart mit dem Vorsatz von drastischer Minimalisierung kam da schnell der Gedanke, unnötigen Kram zu verkaufen. Tja, viel Wertvolles hatte ich nicht, aber im Keller standen diese Kisten voller Babysachen. Kleidung, Tragetücher, Schuhe, Maxi-Cosi… Pragmatisch betrachtet wäre es da ja sehr sinnvoll, diese Dinge zu Geld zu machen. Also machte ich mich enthusiastisch ans Werk und öffnete die erste Kiste …Der erste Strampler. Ach, und die Babydecke. Das Tragetuch, in dem ich das kleine, kolikengeplagte Bündel stundenlang herumgetragen habe… Es folgten Tränen. Damals hatte ich doch gedacht, diese Dinge noch für ein zweites geliebtes Baby gebrauchen zu können! Ich machte die Kiste schnell wieder zu und verließ den Keller.

Dennoch stellte ich in den folgenden Wochen ein paar Dinge zum Verkauf. Den ungeliebten Zweit-Buggy, den meine Schwiegermutter mir (ungefragt) angeschafft hatte, die Babyschale fürs Auto, ein selten benutztes Schaukelpferd. Ein paar Euros trudelten ein. Wenige Wochen später verkaufte ich dann ein paar aktuellere Kleidungsstücke. Dann die Tragetücher, welche mich sehr sentimental stimmten. Aber ich sagte mir, dass es besser sei, wenn sie ein anderes Kind in den Schlaf wiegen können, statt bei mir einzustauben. Und als sie dann weggeschickt waren… da war es plötzlich okay – kein Bedauern bisher. Wenn ich nochmal ein Kind bekommen sollte, ist es kein Problem, diese Dinge wieder zu besorgen. Die Erinnerungen an die ersten Monate mit meinem Baby sind nicht dadurch ausgelöscht, dass ich dieses Stück Stoff nicht mehr besitze!

Die Tragetücher zu verkaufen war schön lukrativ – ich hatte zwei verschiedene und jedes brachte mir noch 50 Euro! Das war zugebenermaßen ein ziemlicher Motivationsschub. Der Rest musste auch noch weg. Also schleppte ich alle zehn Kisten aus dem Keller nach oben in die Wohnung und sortierte den Inhalt an mehreren kinderfreien Nachmittagen – nach Größen, nach Art des Kleidungsstücks, nach Spenden-Wegwerfen-Verkaufen. Oh Mann – ein Mammutprojekt. Fotos machen, die Anzeigen ins Internet stellen, Beschreibungen verfassen. Es ist immer noch nicht abgeschlossen, aber die Sachen reduzieren sich Woche für Woche.

Und die Kisten mit den Mini-Stramplern aus den ersten Lebenswochen? Habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Dann war ich bereit. Einige ausgewählte Stücke kamen in eine kleine Truhe. Der Rest hat sich eine sympathische Schwangere abgeholt. Ich bin froh, dass sie von einem neuen Erdenbürger weitergetragen werden. Sie haben mir und meinem Kleinen ihren Dienst getan und durften gehen.

Mit jedem Stück, das ich loslasse, fühle ich mich leichter und leichter. Ob ich nochmal ein Kind bekomme, weiß ich nicht. Im Moment habe ich darauf keine Perspektive. Manchmal bin ich immer noch traurig deswegen. Aber in meinem Keller liegen keine Träume mehr begraben. Ich schätze mich glücklich, dass ich Mutter dieses einen wundervollen Wesens sein darf. Das ist mehr als genug und ich bin dankbar dafür.

So schaffst du es, die emotional stark besetzten Babysachen loszulassen

Beginne leicht. Manche mögen radikale Aktionen bevorzugen, aber bei mir war es ein längerer Prozess. Fange mit Dingen an, an denen du nicht hängst, und bei denen es nicht viel Arbeit macht, sie zu verkaufen. Es ist wie bei einer Prüfung – fange mit dem an, was du am besten kannst. Du wirst sehen, wie es dir immer leichter fallen wird, loszulassen.

Das gute Zeug zuerst. Verkaufe die wirklich wertigen Dinge zuerst. Also alles, was von namhaften Marken kommt, den guten Öko-Kram aus reiner Bio-Schurwolle, Neuwertiges. Auf ebay-Kleinanzeigen geht so etwas innerhalb weniger Stunden weg. Das wird dich motivieren, weil schnelles Cash ziemlich überzeugend sein kann.

Erlaube dir Erinnerungsstücke. Auch, wenn du versuchst, ein guter Minimalist zu sein – erlaube dir, an manchen Dingen hängen zu dürfen. Mir fiel es viel leichter, mich vom Großteil der süßen Bodys zu trennen, als ich die schönsten und wichtigsten davon zur Aufbewahrung weggelegt hatte. Nach einiger Zeit holte ich sogar einiges aus der Erinnerungskiste zum Spenden und Verkaufen wieder hervor!

Spende. Was du nicht loswirst, oder was nicht mehr viel Geld bringt, aber noch gut erhalten ist (sauber und ohne Risse!), das spende. Es gibt viele gute Möglichkeiten jenseits des Altkleidercontainers. Ich bringe die Sachen immer gern zum örtlichen Sozialkaufhaus. Es fühlt sich sehr gut an, wenn mit den geliebten Pulloverchen und Mini-Mützen anderen, bedürftigen Familien geholfen werden kann. Als Single Mama ist man selbst so oft auf Hilfe angewiesen, dass es schön ist, sich mal in der Rolle der Gebenden zu erleben.

Bleib dran. Ich habe festgestellt, dass es richtig viel Arbeit ist, Dinge loszuwerden. Wenn du ein wenig Luft hast, stell ein paar Dinge zum Verkauf. Mach nach ein paar Wochen Pause weiter. Irgendwann hat sich das Zeug drastisch reduziert. Wen kümmert’s wenn das Monate dauert? Mach dir bloß keinen Stress damit. Der Weg ist das Ziel!

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