Die Weihnachtsbaum-Idylle

Wie innere Idealbilder dich daran hindern, frei und glücklich durchs Leben zu gehen. Und was du dagegen tun kannst.

Neulich im Supermarkt, lag er wieder da, der Pfefferkuchen. Hmmm, lecker…. Aber halt, Weihnachtsgebäck erlaube ich mir erst ab November! Ist ja sonst nichts Besonders mehr. Ganz Strenge ziehen das bis Anfang Dezember durch, aber der November kann auch schon kalt, nass und dunkel genug sein, um es sich drinnen mit Spekulatius, Tee, Nüssen und Mandarinen gemütlich zu machen. Diese Weihnachts-Winter-Zuhause-Geborgenheit habe ich als Kind geliebt und möchte ich meinem Mäuserich auch geben. Ich freue mich richtig auf Weihnachten!

Das war letztes Jahr jedoch ganz anders. Die Ehe war zerbrochen. In meinen Augen hatte ich keine Familie mehr. Und Weihnachten lag düster und trostlos vor mir. Einsam und allein fühlte ich mich, um all meine Träume betrogen.

Wenn Menschen einen Traum haben, dann haben sie meist keine Liste rationaler, sinnvoller Argumente im Kopf. Aber es erscheinen automatisch Bilder vor ihrem inneren Auge. Diese Bilder sind mächtig. Wann immer ich früher an meine zukünftige Familie dachte, so blitzte automatisch die Weihnachtsbaumidylle in meinem Kopf auf: Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum, zwei goldige Kinder darunter. Ich und der Mann meiner Träume schauen zu, wie sie die Geschenke auspacken, die wir liebevoll zusammen ausgesucht haben. Wir sind glücklich zusammen. Die perfekte Familie.

Nun ja. Nicht ganz. Den „Mann meiner Träume“ musste ich wohl aus dem Bild ausradieren. Doch so einfach ging das leider nicht. Das Bild verfolgte mich. Und so ging es mir auch mit anderen inneren Bildern. Viele hatten mit meinen Vorstellungen von Familie und Partnerschaft zu tun. Und diese Bilder machten mich nun so richtig unglücklich. Aber ich wurde sie einfach nicht los! Sie wirkten wie ein Bumerang.

Wie also ist es mir gelungen, dass dieses Jahr kein „Weihnachts-alleinerziehend-und-voll-gescheitert“-Blues herrscht? Ich habe die inneren Bilder nicht weiter abgelehnt, sondern sie Stück für Stück durch andere, besser zu meiner Situation passende ersetzt. Ich weiß, dass es ganz anders aussehen kann, und dass es auch nur Idealbilder sind – aber diese stimmen mich ziemlich fröhlich. Beispiele gefällig?

(Achtung – nicht falsch verstehen – das hier sind keine Empfehlungen, sondern total persönliche neue Bilder!)

  • Statt Weihnachtsbaumidylle. Lustiges und leicht chaotisches Fest bei Freunden, mit und ohne Kinder. Die Kinder rennen wie bekloppt um den improvisierten Weihnachtsbaum und sind aufgedreht, aber glücklich. Jemand mit latentem Kinderwunsch spielt mit ihnen. Das nutzen eine andere Mama und ich, um einen Glühwein zu kippen. Später wilde Schlacht mit Geschenkpapier-Bällen.
  • Statt harmonischem Familienurlaub. Nächstes Jahr eine Woche Urlaub alleine! Kind gut versorgt bei seinem Papa. Ich? Ewig ausschlafen, am Strand brutzeln, flirten und pädagogisch unwertvolle Mengen an Eis verspeisen. Tolle Wanderungen machen, ohne quengeliges Kind im Schlepptau! Keine Ersatzwindel in der Handtasche, sondern Sonnenöl und einen endlosen Schmöker!
  • Statt Vorstadt-Eigenheim mit Garten. Cooles Wohnprojekt mit anderen aufgeschlossenen Menschen. Große Villa… oder ein alter, umfunktionierter Bauernhof. Gemüsebeete im Gemeinschaftsgarten und an den Sommerabenden leicht punkige Lagerfeuerromantik. Nie mehr allein kochen müssen. Geschwister braucht es nicht zwingend, denn es sind fast immer andere Kinder zum Spielen da

Ihr seht, meine aktuellen Ideale gehen in einer freiere, wildere und deutlich unperfektere Richtung. Bei euch ist es vielleicht ganz was anderes…

Hauptsache, eure inneren Bilder:

  • geben euch ein gutes Gefühl
  • sind für euch in eurer aktuellen Situation erreichbar (also besser keinen nicht vorhandenen neuen Partner dazudenken!)
  • sind plastisch und nicht zu abstrakt (also denkt euch viele Details aus und malt eure Träume bunt!)
  • sind dynamisch, nicht dogmatisch
  • sind nicht zu bedeutungsschwer – dafür gerne großzügig Leichtigkeit und Humor einsetzen
  • aktivieren euch, statt euch auszubremsen

Wie ist es bei euch? Kennt ihr das Nachwirken alter Ideale? Wie geht ihr damit um? Welche neuen Vorstellungen habt ihr entwickelt? Ich freue mich sehr über Kommentare dazu 😊

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