Ein maximal minimalistisches Kinderzimmer

…ist – gar keins zu haben! Warum ein Kind nicht zwingend ein eigenes Zimmer braucht.

Ich habe in meiner Wohnung kein Kinderzimmer. Ich lebe zugegebenermaßen sehr großzügig auf 90m² plus Dachterrasse mit meinem Mäuserich und einer Mitbewohnerin. Eigentlich war geplant, als Familie in diese große Wohnung einzuziehen… daraus wurde dann leider nichts und ich musste mir überlegen, was ich als nächstes mache. In eine kleinere Wohnung ziehen? Denn die neue große Wohnung war viel zu teuer für mich alleine. Aber der aktuelle Umzug hatte bereits eine ziemliche Summe verschlungen und erneut umziehen konnte ich mir eigentlich gar nicht leisten… und außerdem ist großzügiger Wohnraum, auch noch so ruhig und für mich günstig neben Arbeitsstelle und Kinderbetreuung gelegen, in meiner Stadt fast ein Sechser im Lotto.

Ich entschied mich also, ein Zimmer zu vermieten. Die Wohnung selbst hat jedoch nur 3 Zimmer – jetzt haben wir also ein Wohnzimmer, ein Zimmer für die Mitbewohnerin und eins für mich. Und den Kleinen. Ein eigenes Zimmer hat er also nicht. Ist das nun ein Problem? Behindere ich mein Kind gar in seiner „Selbständigkeit“? Oder schränke ich mein Privatleben ein?

Den ersten Punkt finde ich einigermaßen albern. Was soll das für eine Selbständigkeit sein – mit zweieinhalb Jahren??? Dass Kinder ein eigenes Zimmer zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit brauchen, ist ohnehin eine sehr westliche und historisch sehr junge Vorstellung. In den meisten Kulturen dieser Welt schlafen und spielen die Kinder dort, wo sich die Erwachsenen aufhalten. Oft sogar alle im gleichen Bett – was hier bei manchen als einzige Möglichkeit einer bindungsorientierten Erziehung („Familienbett“), und bei anderen als Armutsindikator gesehen wird. Ich sehe das wertfrei und denke, dass eigene Zimmer und Betten für einige durchaus gut sein können – eine Notwendigkeit stellen sie in meinen Augen jedoch überhaupt nicht dar!

Der Kleine schläft neben meinem Bett in einem kleinen Kinderbett. Ich habe einfach eine Gitterseite des Babybetts rausgenommen und eine Rausfallsperre eingebaut, und fertig war das Kleinkindbett! Nachts schiebe ich das Bettchen einfach an meines heran, dann kann er problemlos zu mir hereinschlüpfen, wenn er das Bedürfnis danach haben sollte. Ich habe etwas zu trinken und eine Ersatzwindel parat, für all das brauche ich nicht extra aufstehen nachts. Sehr praktisch und überlebensfördernd (für mich), wenn der Kleine mal krank ist und nachts wieder viel Zuwendung benötigt. Oft genug will er aber ins eigene Bett und bleibt dort auch die ganze Nacht.

Das zweite Gegenargument gegen das gemeinsame Schlafen ist häufig die drohende Einschränkung des Ehelebens…  Aber als Single Mama ist das nun nicht gerade meine Sorge. Haha! Ätsch! (Außerdem könnte man ja auf das Wohnzimmer ausweichen… oder auf die Küche… das Bad… den Flur… die Besenkammer!?)

Nächster Punkt: Spielsachen. Die verteilen sich erfahrungsgemäß eh in der ganzen Wohnung. Bei uns liegen jetzt ein Spielteppich und eine Kinder-Kuschel-Matratze im Wohnzimmer. Aber da ich die Spielzeugmenge gering halte, brauche ich auch nicht zehn Regale, um die alle unterzubringen. Gemalt und gebastelt wird am Küchentisch, Bilderbuch geguckt auf der Kuschelmatratze, im Bett oder auf dem Sofa, getobt überall. Die kleinen Autos sausen den Flur entlang. Uns fehlt aktuell eine hochgezogene Wand überhaupt nicht.

Wie lange das noch so bleibt, kann ich nicht sagen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Mäuserich und ich nicht mehr im gleichen Zimmer schlafen werden/wollen/können. Vielleicht ab der Schulzeit? Vielleicht früher oder auch erst später.

Aber im Moment fahren wir sehr gut mit unserer geringen Zimmeranzahl.

Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Habt ihr eigene Kinderzimmer, und ab wann wurde das ein Thema? Ich freue mich über eure Kommentare!

2 Kommentare zu „Ein maximal minimalistisches Kinderzimmer

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  1. Sehr schöner Artikel und ich stimme dir da voll und ganz zu: In dem Alter und auch noch darüber hinaus ist das sicher auf jeden Fall super so und die Kinder wollen sowieso die Nähe zu ihren Vorbildern, man muss sie ja im Blick haben! 😉 Für später ist es vielleicht ja möglich das kleinere Zimmer zum Kinderzimmer zu machen und fürs Wohnzimmer eine kleine Schlafnische einzubauen, denn das Schlafzimmer nutzt man ja sonst nur, wenn man das Wohnzimmer nicht mehr braucht. So jedenfalls wollen wir es bei unserem nächsten Umzug machen. Denn unserem Kleinen (4 Jahre) ist sein Zimmer mittlerweile sehr wichtig und sogar alles Spielzeug ist nach und nach dahin umgezogen. 🙂

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    1. Liebe Namika,
      Danke für den Kommentar! 😊
      Ich glaube auch, dass irgendwann das Thema im Raum stehen wird (bzw. dass der Raum Thema wird, haha!)
      Sehr gute Idee mit dem Schlaf/Wohnzimmer! Könnte ich wirklich umsetzen, zumal das Wohnzimmer sehr groß ist! 👍 Und ich könnte das mittlere Zimmer trotzdem vermieten… wow, geniale Lösung! Naja, aber noch sind das ungelegte Eier und ich kann die nächtliche Nähe noch genießen. 😊

      Gefällt 1 Person

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