Freie Frau

Warum ich keinen Mann brauche und nicht mal einen will (zumindest im Moment)

„Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit, Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit – Oh Männer sind so verletzlich. Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich!“ sang schon Herbert Grönemeyer. Und das stimmt ja. Und ich mag sie ja auch. Jedenfalls nicht weniger als Frauen. Aber – sind sie in meiner Welt unersetzlich? Als Beziehungspartner, meine ich?

Hmmm. Es gab eine Zeit, da war das Single-Leben so weit weg für mich wie der Mond. Die Partnerschaft war das wichtigste für mich und ihr habe ich viel untergeordnet, auch wenn ich nie zu denen gehörte, die mit ihrer „besseren Hälfte“ verschmelzen. Und dachte, meine Beziehungsstrategie sei tatsächlich Geduld, Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft, Verständnis… vieles fiel aber leider eher in die Kategorien „ungefragt Hinnehmen“ und „runterschlucken“. Würde ich heute bei weitem nicht mehr erlauben. Früher dachte ich, dass ich zwingend einen Mann als Partner in meinem Leben brauche. Heute sehe ich das durchaus differenzierter:

Wofür brauche ich alles KEINEN Mann?

Geld verdienen. Klar, ich werde nicht reich mit meiner halben Stelle, aber versorgen kann ich mich und den Mäuserich schon. Ein bisschen mehr Steuerentlastung wäre aber ganz nett, liebe Politiker (Steuerklasse II fällt bei mir sogar ganz weg, da ich in einer WG lebe)!
Kisten schleppen. Ernsthaft jetzt?! Habt ihr mal meine Muskeln gesehen, seit ich seit zweieinhalb Jahren ein Kleinkind plus Wocheneinkauf (plus Wäsche, Mülltüten, Rucksack mit Wechselklamotten und Windeln) allein die Treppe hochtrage?
Reparaturen. Vieles kann ich inzwischen selber (Bohren macht Spaß!) und es ist ja nicht so, als würden sich alle Männer mit Hingabe dem Heimwerken widmen.
Hausarbeit erledigen. HAHAHA. Der beste Witz des Jahrhunderts. Zumindest, wenn ich meine Ehe als Vergleichsstandard nehme.
Schöne Freizeitaktivitäten. Wozu gibt es Freunde? Und ich hab wirklich verdammt gute! Keine von ihnen hat ein Kind, fast alle in einer Partnerschaft und trotzdem fühle ich mich kein bisschen ausgeschlossen (Danke, ihr Lieben!).
Sex?! Ach ja. Ich gebe zu, ich bevorzuge Männer da schon, aber Sex kann man auch ohne feste Partnerschaft haben (siehe auch dieser Artikel hier.
Gemütliche Netflix-Abende auf der Couch. Schafft euch eine liebe Mitbewohnerin an!
Gute Mutter sein. Ist von keiner Paarbeziehung dieser Welt abhängig.
Bestätigung von außen bekommen. Die Kunst ist, sich Bestätigung aus sich selbst zu suchen (ich übe noch…)

…Und so weiter und so fort.

Natürlich wünsche ich mir, dass mich öfter mal jemand in den Arm nimmt. Dass auch mal jemand was für mich erledigt. Dass jemand seine Zukunft mit mir planen möchte. Dass jemand mit mir bei IKEA ein neues Sofa aussucht. (Darf ich als Minimalistin bei IKEA einkaufen? Hm…) Dass ich mit jemanden ein Kind haben könnte, der mich uneingeschränkt unterstützt und bei dem ich mich wohl fühle.

Aber im Moment bin ich auch ganz froh, dass ich vieles in meinem Leben so gestalten kann, wie ich es möchte. Einige Zeit nach der Trennung hatte ich das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder das Gefühl, wieder ich selbst zu sein, mich nicht verbiegen zu oder meine Bedürfnisse unterdrücken zu müssen. Ich höre laut im Auto die Musik, die mir gefällt, und niemand kritisiert unterschwellig meinen Fahrstil. Ich muss nicht erklären, warum ich einen Schreibtisch haben möchte. Ich mache Kaffee in einer Kaffeemaschine und nicht in einer Expressokanne, einfach, weil ich das möchte. Und viele weitere kleine (und nicht so kleine!) Beispiele, die sich zu einem großen Freiheitsgefühl verdichten.

Natürlich mag man jetzt einwenden, dass das in einer Beziehung ja auch so sein sollte. Und ich kenne einige tolle Beziehungen in meinem kinderlosen Freundeskreis. Sobald ein Kind dabei ist, scheint sich die ganze Dynamik oft ungut zu verschieben. Ich sehe leider dysfunktionale Muster an jeder Straßenecke und habe echt selten gedacht: „Ach, Familie XY beneide ich aber, so eine Familienstruktur und Paarbeziehung hätte ich auch gern.“ Oft war es eher: „Gottseidank, damit muss ich mich nicht auch noch rumschlagen!“ Ich will einfach nicht dasselbe in Grün noch mal erleben. Als freie Frau kann ich entscheiden, wie ich sein möchte und wie ich leben will (soweit die Mutterschaft das erlaubt). Ich muss mich nicht erklären oder rechtfertigen. Ich muss mich nicht mehr einsam und verlassen fühlen, denn ich bin nicht auf Bestätigung eines Partners angewiesen.

Und wenn’s doch noch mal funkt? Lege ich alles dran, freie Frau zu bleiben und nächstes Mal echtes Verständnis (nicht getarnte Angst) an den Tag zu legen. Das bin ich mir selbst schuldig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: