Minimalismus macht Raum

Zum Beispiel für eine vierköpfige Familie in der eigenen Wohnung. Wie Minimalismus mehr Großzügigkeit und Flexibilität in dein Leben bringt.

Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus von den minimalists (es gibt hier eine tolle Dokumentation über die zwei!) schreiben hier über Minimalismus:

“Minimalists don’t focus on having less, less, less; rather, we focus on making room for more: more time, more passion, more experiences, more growth, more contribution, and more contentment. More freedom. And clearing the clutter from life’s path helps us make that room.”

(Auf Deutsch: “Minimalisten konzentrieren sich nicht darauf, immer weniger und weniger zu besitzen. Stattdessen fokussieren wir uns darauf, Raum fürmehr zu schaffen: Mehr Zeit, mehr Leidenschaft, mehr Erfahrungen, mehr Wachstum, mehr zu etwas beitragen,  mehr Zufriedenheit. Mehr Freiheit. Und das Gerümpel aus dem eigenen Lebensweg zu räumen hilft uns, diesen Raum zu machen.“)

Raum für mehr. Das klingt großartig. Und ein wenig abstrakt. Wie sehr unsere irdischen Besitztümer uns auch in mentaler Hinsicht oft blockieren und wie befreiend es ist, wenn man weniger davon hat, ist erstmal nicht so leicht vorstellbar.

Für mich wurde es dann aber vor einem Monat plötzlich sehr, sehr konkret: Meine Schwester, die mit ihrem Mann als Fotografen und digitale Nomaden mit zwei kleinen Kids im Gepäck ausgewandert und aktuell in Thailand waren, rief mich an. Sie lagen zu dritt mit Dengue-Fieber im Krankenhaus. Zum Glück schienen sie es einigermaßen überstanden zu haben (die Krankheit kann nämlich auch ganz schön gefährlich werden!). Den jüngsten der Familie (3 Jahre) hatte es jedoch (noch) nicht erwischt. Meine Schwester war natürlich in ziemlicher Sorge um ihren Kleinen und wollte ihn so schnell wie möglich aus dem Risikogebiet rausbringen. Alle geschwächt von der Krankheit wollten sie sich gerne in Deutschland ein wenig ausruhen, um dann in Ruhe nach einem neuen Ziel zu suchen.

Nur: wohin? Zu mir??? Immerhin misst meine Dreizimmer-Wohnung 95m². Nun ja, meine aktuelle Mitbewohnerin hatte ohnehin vor, wieder zu ihrem Freund zurückzuziehen. Sie erklärte sich einverstanden, ihr Zimmer schnell freizumachen (in dem eh fast nichts untergebracht war). Im Gegenzug ersparte ich ihr die sonst dreimonatige Kündigungsfrist. Also – ja! Innerhalb von drei Tagen kamen dann meine Schwester und ihre zwei kleinen Kinder bei mir unter, mein Schwager sollte dann eine Woche später nachkommen. Ich zog mit dem Mäuserich vorübergehend in das kleinere Zimmer.

Was hat das jetzt mit Minimalismus zu tun?

Nun, eine Menge! Denn es war überhaupt kein Akt, die Vier bei mir unterzubringen! In das andere Zimmer zu ziehen dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Extra Platz in der Wohnung machen musste ich nicht, denn ich hatte bereits viel Platz. Es fiel mir also leicht, mit meinem Wohnraum großzügig zu sein.

Jetzt leben die vier digitalen Nomaden schon einen guten Monat bei mir und bleiben noch bis Mitte Dezember. Und, wie läuft es? Ich muss zugeben, ein paar Mal fand ich es schon recht anstrengend, zu sechst in der Wohnung, davon drei kleine Kinder. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Aber… das große Chaos ist ausgeblieben. Mein kleines Auto teilen wir uns doch recht problemlos. An Geschirr oder dergleichen mangelt es überhaupt nicht, was mich überdenken lässt, ob ich für mich allein nicht immer noch viel zu viel habe?! Es ist überhaupt nicht schwierig, einen Stuhl für vielfältige Zwecke zu verwenden (es wandern momentan 2-3 Stühle durch die ganze Wohnung, je nachdem, wo sie gebraucht werden.) Mehr Stühle, nur weil mehr Personen da sind – das ist oft genug eine unsinnige Rechnung! Und man braucht für drei Kinder nicht dreimal so viel Spielzeug. Eine Wohltat, dass nicht so viel Zeugs da war, das von ganzen Dreien durch die Gegend geschleudert werden kann. Und oft genug bringt es mir auch Entlastung: Die Kinder spielen super miteinander und die Erwachsenen können sich auch besser unterstützen, wenn man nah zusammenlebt.

Drei

Wäre es denn anders, wenn ich meinen Besitz nicht bereits stark reduziert hätte? Ich denke – ja. Ich hätte meine Schwester und ihre Familie natürlich trotzdem bei mir untergebracht. (Oder auch nicht? Ich stelle eine deutliche Flexibilisierung meiner Einstellung fest und eine ziemliche Lockerheit, die ich früher nicht hatte. Ich war sonst immer eher der penible Typ.) Es wäre auf jeden Fall viel stressiger geworden, enger, schwieriger, chaotischer.

Ich bin froh, weniger Gerümpel zu haben. Und mehr Raum für Menschen, die ich liebe. Und zwar buchstäblich.

4 Kommentare zu „Minimalismus macht Raum

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    1. Liebe sonjamarisa,
      vielen Dank 🙂 Es ist halt schon sehr von den Bedingungen abhängig, ob man so etwas machen kann. Meine Wohnung ist beispielsweise sehr groß, da geht das eher als auf 40m²… dennoch, ich bin erstaunlicherweise ziemlich entpannt angesichts des Trubels. Das ist – neben dem Zugewinn an Raum in der Wohnung – tatsächlich das beste am Minimalismus.
      Alles Liebe!

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      1. Ja das denk ich mir. Platz hätten wir genug. Regelmäßig entrümpeln machen wir auch. Trotzdem horten mein Mann und ich beide Zeugs. Und die zwei Kinder tun ihr Übriges. Da ist also noch Luft nach oben. 😉

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      2. Es ist halt ein Weg, und der ist für Familien manchmal schwieriger. Es gibt nicht „den“ Minimalismus. Ich bin auch noch weit (!) entfernt von meiner Wunschvorstellung – denn Platz schaffen ist erstmal Arbeit (die sich zwar später lohnt), aber als vielbeschäftigte Mama kann man sich da halt nicht so reinstürzen wie eine alleinstehende Person 😀

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