Darf ich das?

Ja, ich darf das! Was du dir als Single Mama zugestehen darfst!

Als ich noch verheiratet war, habe ich nicht gemerkt, dass ich insgeheim ziemlich stolz darauf war, gesellschaftliche Erwartungen erfüllt zu haben. Ich hatte nicht viele Männer gehabt (also nicht viele Sexualpartner), habe (für Akademikerverhältnisse) recht früh geheiratet. Wie hatten den Trauschein auch lange, bevor ich schwanger wurde. Ich war 100% treu und stolz darauf. Ich kaufte ein edles, ledereingebundenes Familienstammbuch und heftete die Eheurkunde ordentlich darin ein. Ich stellte mir vor, wie ich eine perfekte Familie haben würde. Ich hatte alles richtig gemacht. Oder?

Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht gegen das Heiraten, denke, dass Monogamie etwas sehr Schönes sein kann, und finde auch nicht, dass eine Trennung mit Kind per se ein feministisches Statement ist – normalerweise ist es einfach nur sehr schmerzhaft für alle Beteiligten und fühlt sich alles andere als heroisch an. Einsame Nächte mit Baby oder Kleinkind, finanzielle Schwierigkeiten, Überlastung im Alltag, Schwierigkeiten im Job, Ärger mit dem Ex-Partner… das fühlt sich ehrlich gesagt überhaupt nicht feministisch an. Auch, wenn es trotz allem eine befreiende Entscheidung war, sich zu trennen. Aber – die Themen, die unter Umständen nach einer Trennung so hochkommen, die betreffen sehr wohl unser Dasein als Frauen und Mütter in unserer Gesellschaft. Ich habe gemerkt, dass ich einige gesellschaftliche Glaubenssätze gelernt und verinnerlicht hatte, die mir nun zur Last wurden:

  • Eine gute Mutter muss die Familie um jeden Preis zusammenhalten.
  • Eine vernünftige Frau hat keine One-Night-Stands und nicht mehr als 10 Sexualpartner.
  • Nach einer Trennung darf sie nicht sofort einen Neuen haben.
  • Wenn eine Frau keine Beziehung haben will, dann stimmt etwas nicht mit ihr.
  • Eine gute Mutter gibt um der Kinder willen nach, auch, wenn sie unrecht behandelt wird.
  • Eine Frau, die erst Interesse signalisiert, aber dann doch Nein sagt, spielt ja nur mit den Gefühlen der Männer.
  • Eine gute Mutter darf nicht froh sein, wenn sie einen kinderfreien Tag oder gar eine kinderfreie Woche hat.
  • Eine Frau, die sich trotz Kinder getrennt hat, hat nicht glücklich zu sein, sondern ist fortan für immer entweder Schuldige oder Opfer.
  • etc. etc. etc. usw. usw.

Ich könnte diese entsetzliche und bedrückende Liste noch länger fortführen. Es erschreckt mich, ehrlich gesagt, was da aufkommt. Natürlich weiß ich, dass das nicht stimmt und nichts davon entspricht meinen Überzeugungen. Aber woher kommen die Schuldgefühle, wenn ich einen Punkt dieser Erwartungsliste nicht erfülle? An irgendeinem Punkt meines Lebens habe ich all diese Dinge gelernt und verinnerlicht, auch, wenn mir das niemand so konkret gesagt hat (außer den Punkt mit „eine Mutter darf sich nicht trennen“… das habe ich mir neulich anhören müssen – O-Ton: „Ich könnte das nicht!“).

Also. Ich will das nicht mehr glauben, auch nicht in einer hinteren Ecke meines Gehirns. Und du sollst dich auch nicht damit quälen.

Deswegen eine Erlaubnis an dich. Du darfst…

  • Du darfst dich aus einer schlechten, zermürbenden, gewalttätigen, eingeschlafenen, dich – egal warum – unglücklich machenden Beziehung trennen, auch wenn du Kinder hast.
  • Du darfst keine Beziehung mehr wollen.
  • Du darfst auch sofort eine neue Beziehung haben/wollen.
  • Du darfst dich ausprobieren.
  • Du darfst froh sein, wenn du dein/e Kind/er nicht jeden Tag betreuen musst. Das ändert nichts daran, dass du sie liebst und heißt nicht, dass sie dir weniger wichtig wären. Du bist einfach ein Mensch, der noch andere Bedürfnisse hat.
  • Du musst nicht Unrecht über dich ergehen lassen, und jeden Konflikt auf eigene Kosten vermeiden, nur, weil du Kinder hast. Du darfst auch für dich kämpfen und dich verteidigen.
  • Du darfst Sex mit so vielen Menschen haben, wie du willst. Ob null oder hundert.
  • Du darfst anderen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle überlassen.
  • Du darfst glücklich sein. Auch, wenn dein Kind unter der Trennung leidet.
  • Du darfst das, verdammt!!!

Natürlich ist es sehr wichtig, mit anderen respektvoll umzugehen. Das bedeutet aber nicht, dass du dich anpassen musst, oder dass du alleinige Verantwortung dafür hast, wie sich alle fühlen. Doch aus Frauen, die sich nicht anpassen, werden leider schnell „Schlampen“ oder „schlechte Mütter“ gemacht. Und selbst, wenn das keiner sagt, dann fühlt die betreffende Frau trotzdem, dass sie etwas verkehrt macht.

Ist dieser Mist wirklich nicht auszurotten? Ich finde, es wird Zeit, dass unsere Kinder etwas anderes lernen und verinnerlichen. Dafür arbeite ich jeden Tag hart an mir. Ich möchte meinem Sohn ein Vorbild für ein freies Leben und einen respektvollen, ehrlichen Umgang sein – mit anderen.

Aber auch mit sich selbst.

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