Mama minimalista proudly presents: A day in a Single Mom’s life!

Kein Mimimi – einfach die Wahrheit.

Es ist Mittwoch, Viertel vor Elf und ich fühle mich vollkommen ausgebrannt. Gerade eben habe ich den Sohn dem Papa übergeben, der eine Dreiviertelstunde zu spät war – er hatte verschlafen. Nachdem er übers Wochenende vier Tage auf einem Festival war. Und ja so müde und erschöpft ist, und daher Schlaf nachholen musste, und er habe ja außerdem so viel zu tun. Der Arme!!! Es war sicher sehr anstrengend, bei schönstem Sonnenschein ohne Verpflichtungen auf einem Festival rumzuhängen. Davon muss man sich schon erholen. (*sarcasm off*)

Diesen Monat hatte ich den Kleinen sehr viel bei mir, was schön war, weil ich merke, wie toll wir uns eingrooven, wenn wir viel Zeit am Stück zusammen haben. Wie gemeinsame schöne Rituale sich festigen, wie wir unseren Rhythmus finden, wie wir über den vergangenen Tag sprechen und wissen, morgen sehen wir uns auch wieder. Aber der Papa wurde schmerzlich vermisst, das musste auch seinen Raum haben. Und ein „Dann bleibe ich für immer bei Papa und komme nie wieder zu Mama“, nachdem ich etwas nicht erlaubt habe, muss man auch wegstecken können.

Jetzt ist mein Schatz bei seinem geliebten Papa und für mich stehen plötzlich ganze vier (!) Tage ohne Kind an. Eigentlich müsste es mir gut gehen, ich habe diese freie Zeit ein wenig sehr herbeigesehnt, weil ich so müde war.

Es geht mir aber nicht gut. Die eigentlich schöne gemeinsame Zeit ohne Unterbrechungen hat mich nämlich leider auch an die Grenzen gebracht. Ich fühle mich leer. Und schuldig, weil ich so erschöpft bin, denn manchmal vergesse ich, was ich eigentlich alles so an einem Tag leiste.

Mama minimalista proudly presents: A day in a Single Mom’s life!

06:45 Uhr

Ich stehe morgens eine Stunde vor meinem Sohn auf, damit ich Zeit habe, mich in Ruhe fertigzumachen. Frühstück vorbereiten, Sachen packen, duschen, Geschirr vom Vorabend spülen, Essen für die Mittagspause mitnehmen… Vorgestern habe ich um fünf Uhr morgens Wäsche aufgehängt. Und gestern um sechs Uhr morgens mit den anderen Müttern (ausschließlich Mütter, warum eigentlich?) per Whatsapp beraten, was wir der Tagesmutter zum Abschied schenken. Ach ja, und auf Amazon einen Kindergartenrucksack, eine Brotdose, einen Turnbeutel, eine Zeichenmappe bestellt. Oh, ein Foto muss man für den Kindergartenstart auch noch mitbringen. Muss ich mir merken, und ausdrucken, wenn ich das nächste Mal in der Drogerie bin. Das Foto kann ich ja aber schon mal raussuchen… schnell das Mini-Workout (7 Minuten) machen. Wenigstens das möchte ich für mich erledigt haben.

07:45 Uhr

Zweiter Kaffee. Kind wird wach. Leider weint es und möchte eine Milch! Sofort!!! Ich sage mit ruhiger Stimme, dass ich ihm eine Milch mache und gehe in die Küche. Der Kleine trinkt die Milch dann im Wohnzimmer, ich hole schon mal das Töpfchen, da er gern mal vergisst, dass er Pipi muss. Die Klamotten bringe ich auch schon mal mit. Er mag sich nicht anziehen lassen, aber ich lese dabei vor, dann geht es doch. Haare etwas in Ordnung bringen, noch ein wenig gemeinsam spielen, dann aus dem Haus und zur Tagesmutter bringen.

Nachdem ich ihn dort abgegeben habe, gehe ich nochmal schnell Zuhause vorbei, um die Waschmaschine anzuschmeißen. Sonst hat mein Sohn keine sauberen kurzen Hosen mehr. Der Hosenverschleiß ist im Moment sehr groß, weil mindestens einmal am Tag ein paar Tropfen in der Hose landen, bevor bemerkt wird, dass man aufs Klo müsste. Muss man halt öfter waschen. Oha, ich muss auf dem Weg zur Arbeit noch den Müll raubringen.

09:30 Uhr

Endlich im Büro angekommen. So, jetzt gedanklich – sofort – umschalten auf Wissenschaft und Doktorarbeit. Die in 2,5 Monaten abgegeben werden soll, puh. Im Moment kann ich mich ganz gut konzentrieren. Ich habe mich gerade in eine Argumentation reingedacht und bin mitten im Flow, da sehe ich auf der Uhr, dass ich schon wieder los muss, um 15 Uhr muss ich meinen Sohn wieder abholen. Oje, wie soll das erst im Kindergarten werden, wenn die Abholzeit schon um 14:30 Uhr ist? Leider habe ich keinen Vollzeit-Betreuungsplatz bekommen, sondern nur Teilzeit, trotz Berufstätigkeit und Alleinerziehenden-Status. Ich bin froh, dass ich überhaupt einen Platz bekommen habe. In 12 Kindergärten habe ich angemeldet, alle Vollzeit. Das ist der einzige Platz, den ich bekommen habe. Ich verstehe das nicht.

15:00 Uhr

Ich hole meinen Sohn ab und wir schlendern nach Hause. Es ist ein sehr heißer Tag und daher bleiben wir erstmal in der kühlen Wohnung. Mama ist platt. Daher mache ich für 30 Minuten eine Kindersendung an, um ein wenig einzudösen. Leider werde ich nach wenigen Minuten geweckt, weil ich etwas zu trinken machen soll. Ich versuch’s nochmal und nicke kurz weg. Vielleicht fünf Minuten Schlaf bekommen, das hilft über den Nachmittag.

Nachdem ich aufgestanden bin und den Fernseher unter Protest ausgeschaltet habe, überlege ich, dass wir ins Schwimmbad fahren könnten. Am späten Nachmittag kostet der Eintritt weniger, die Sonne knallt nicht mehr so sehr und es ist auch nicht mehr so voll. Aber erstmal Sachen packen. Der Sohn will aber spielen. Da ich keine Geschwister aus dem Hut zaubern kann, bleibe nachmittags oft ich als Spielpartner. Verabredungen sind auch nicht täglich machbar, er ist halt noch zu klein, um sich selbständig zum Spielen zu verabreden. Dann muss aber noch die Wäsche aufgehängt werden. Der Sohn will immer noch spielen. Dann alles zusammenpacken. Derweil nochmal das Kind umziehen, das es nicht rechtzeitig auf die Toilette geschafft hat. Der Sohn will immer noch spielen. Gott, ich bin so müde. Ich mache mir einen Eiskaffee, der hilft.

17:30 Uhr

Wir fahren ins Schwimmbad und haben noch eine schöne Zeit. Ein wenig selbst schwimmen, ein paar Seiten im Buch lesen oder in der Sonne liegen – undenkbar, weil ich stets die einzige Aufsichtsperson bin. Meine Aufmerksamkeit ist immer beim Kind. Jede Sekunde. Auch zum Klo muss ich ihn mitschleppen, da ich ihn auf keinen Fall alleine lassen darf. Wir bleiben bis acht. Das Kind braucht leider dermaßen wenig  Schlaf und ist vor 22 Uhr nicht zum Einschlafen zu bewegen, auch trotz Weglassen des Mittagsschlafs, dass ich froh bin, wenn wir möglichst lange eine Beschäftigung haben. So ein Tag ist einfach endlos.

Auf dem Rückweg halte ich noch beim Supermarkt. Gott, bin ich dankbar für mein Auto. (Ach ja, ich muss in die Werkstatt, weil der Keilriemen quietscht.) Meinen Sohn setze ich in den Einkaufswagen und hoffe, dass er genug Geduld aufbringt, drin sitzen bleiben zu wollen. Daher fliege ich in Windeseile durch die Gänge und lade alles in den Wagen. Noch einen Wutanfall aushalten, weil es keine Brötchen mehr gibt und ich mich weigere, ein komplettes Weißbrot zum Knabbern zu kaufen.

21:00 Uhr

Zuhause angekommen. Die Einkäufe schleppe ich allein in die Wohnung. Ich mache das so, dass ich die Einkäufe vor dem Haus ablade, dann wieder ins Auto steige, zum Parkplatz fahre und dann erst mit meinem Sohn zum Haus laufe, wo ich die Einkäufe dann wieder einsammle. Oben angekommen, wird mir kurz schwindelig. Kurz durchatmen. Noch schnell die Einkäufe verräumen und etwas Essbares auf den Tisch zaubern. Oh, die Spülmaschine muss auch noch ausgeräumt werden. Der Kleine will spielen. Oder noch besser – fernsehen! Ich erlaube es aber nicht, bei uns gibt es die „nur einmal am Tag wird der Fernseher angemacht“-Regel. Ich mache ein Hörspiel an. Das wird akzeptiert und ich hantiere in der Küche rum. Das Kind wünscht, mit Ton zu spielen. Ich reiche Ton. Dann reiche ich Essen und packe den Ton und die Utensilien wieder weg. Der Boden sieht katastrophal aus. Wenigstens gemeinsam essen. „Piep piep piep, wir haben uns beide lieb, wir essen beide mit, guten Appetit.“

Dann noch die Abendprozedur, Milch machen, Umziehen, Pipi machen, Zähne putzen, Vorlesen. Während der Kleine seine Milch trinkt, eile ich ins Bad, weil auch ich gerne geputzte Zähne haben möchte, bevor ich schlafen gehe. Und schnell noch das Geschirr vom Essen wegräumen und die Tonkrümel vom Boden wegfegen. Dann ab ins Bett.

22:00 Uhr

Der Kleine ist (endlich!!!) eingeschlafen und ich schicke der anderen Mutter noch das Foto, das sie für das Abschiedsgeschenk der Tagesmutter braucht. Und bestelle ein Geschenk für den Kindergeburtstag, auf dem wir nächste Woche eingeladen sind.

Dann schlafe ich erschöpft ein, Wecker auf 06:45 Uhr.

03:41 Uhr

Ich wache auf, weil der Kleine Pipi muss/einen Alptraum hatte/nach Mama ruft/whatever. Ich kümmere mich, dann drücke ich die aufkommende Gedankenflut weg. Wenn ich jetzt nicht schlafe, geht’s mir morgen sehr schlecht.

06:45 Uhr

Der Wecker klingelt. Das Kind schläft noch. Ich schicke dem Vater des Kindes noch das Foto von der Liste mit den Kindergartenutensilien, die wir noch brauchen und von der ich einige Besorgungen auf ihn übertragen habe. (Delegieren tun nur die mit der ganzen Verantwortung, im Übrigen, hier ein genialer Comic dazu). Die hab ich ihm schon zweimal gegeben, aber er hat sie verloren oder vergessen. Meine Erfahrung sagt mir, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, dass er die Sachen besorgt.

Also im Kopf behalten. Wie alles. Wie immer. Das Spiel geht von vorne los.

PS: Das Beitragsbild ist natürlich Ironie 😉

4 Kommentare zu „Mama minimalista proudly presents: A day in a Single Mom’s life!

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  1. „Noch einen Wutanfall aushalten, weil es keine Brötchen mehr gibt und ich mich weigere, ein komplettes Weißbrot zum Knabbern zu kaufen.“

    Mein absoluter Lieblingssatz! 😀 Du Monster, kein ganzes Weißbrot…

    Du Heldin!

    Gefällt 1 Person

  2. Kann ich unterschreiben, kenne ich so auch!… Den Comic, den du zitierst, finde ich auch super. Der Vater meines Sohnes fragte mich kürzlich kurz vor acht, was denn die Hausnummer der neuen Kita sei, zu der er ihn an diesem Tag zum ersten Mal brachte… Mental (work) load also… 😉 Lg, Sunnybee

    Gefällt 1 Person

    1. Genau- Telefonnummer und Abholzeiten bei der Tagesmutter, Inpftermine, Kleidergröße des Kindes, Länge der Finger- und Fußnägel sowie der Haare des Kindes im Blick haben (und schneiden), Abschiedsgeschenk für die Tagesmutter, Wissen, dass man bei Kindergärten anmelden muss, erkundigen, wie man das am besten macht, erkundigen, welche gut sind, zum Anmeldegespräch anmelden, hingehen, Formular ausfüllen, Formular dem Papa zum unterschreiben hinterher tragen, als einzige die Informationen zur Eingewöhnung durchlesen, Zeitplan für den Umgang erstellen, den Papa an dem Zeitplan erinnern… waaaahhhh! Mental und work load, aber hallo! 😉

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