„Wir brauchen mehr Super-Mamas!“ – Wirklich?

Gedanken zu einer Werbekampagne zum Muttertag

Ich liebe Blumen und bekomme auch immer gerne welche geschenkt. Sie repräsentieren für mich Wertschätzung und liebevolle Zuwendung, gerade, weil sie in ihrer Schönheit vergänglich sind und keinerlei praktischen Nutzen haben. Sie verschönern einfach das Leben. Über Blumen zum Muttertag würde ich mich also von Herzen freuen.

Seit ein paar Tagen sehe ich auf Instagram immer wieder die Anzeige eines Blumenversand-Unternehmens. Zu sehen ist eine Frau im Superheldenkostüm mit ihrer Tochter, eine typische Werbeanzeige zum Muttertag eben. Die Frau sieht nett aus, entspannt, sympathisch. Auf der Anzeige steht „Wie brauchen mehr Super-Mamas!“. Dagegen ist wohl nichts zu sagen und eigentlich ist das ja nur eine harmlose nette Anzeige. Es sollte wahrscheinlich sogar ein starkes Frauenbild darstellen.

Trotzdem hat mich da etwas gepikst, als ich den Slogan gelesen habe. Irgendwie wollte ich antworten: Nein, wir brauchen etwas ganz anderes. Mütter leisten schon genug, und SIE sind es, die etwas brauchen! Wie zum Beispiel Folgendes:

  • Eine viel bessere Qualität der Geburtshilfe (Mehr Hebammen/Geburtshelfer z.B.)
  • Kostenlose, leicht zugängliche Kinderbetreuung von hoher Qualität (dafür fehlen Erzieher*innen!)
  • Bessere Schulen (die eben nicht ein zusätzlicher Stressfaktor für die gesamte Familie sind)
  • Bezahlbaren Wohnraum für uns und unsere Kinder
  • Bessere berufliche Chancen, z.B., durch flexible Arbeitszeiten oder Job-Sharing
  • Gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit
  • Mehr Möglichkeiten zur politischen Teilhabe
  • Andere gesellschaftliche Bewertung der Care-Arbeit
  • Finanzielle Anerkennung geleisteter Care-Arbeit
  • Besseren Schutz vor psychischer und physischer Gewalt
  • uvm.

Ich ärgere mich gar nicht so sehr über das Unternehmen, aber die gesellschaftliche Entwicklung, aus Müttern noch das letzte bisschen Leistung herauszuquetschen (=ihre Arbeitskraft aus den Markt zu bringen) und ihnen gleichzeitig nicht genügend Ressourcen (wie die oben genannten) zur Verfügung zu stellen, ärgert mich sehr. Viele Frauen, die ich kenne, gehen immer wieder an ihre Grenzen und alle hoffen, dass die „Mutterliebe“ es schon richten wird. Das tut sie aber nicht mehr, wenn die Erschöpfung einen gewissen Grad erreicht hat. Und auch mit der besten Organisation, Gelassenheit, „Um-Hilfe-Bitten-Strategie“, Liebe, Emanzipation, beruflichem Ehrgeiz einer „Super-Mama“ etc. etc. kann man die strukturellen Defizite nicht wegdiskutieren.

Deswegen: Nein, wir brauchen nicht mehr Super-Mamas! Wir brauchen Super-Bedingungen für Mamas. Blumen kann man mir trotzdem gerne bestellen. Schönen Muttertag euch allen noch!

Eure Mama Minimalista

7 Kommentare zu „„Wir brauchen mehr Super-Mamas!“ – Wirklich?

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  1. Liebe Mama-Minimalista,
    schön, dass du wieder mal zur Tastatur gegriffen hast – du sprichst mir aus der Seele!🙂 Vor allem mit dem Satz: „Wir brauchen nicht mehr Super-Mamas, wir brauchen Super-Bedingungen für Mamas!“
    Wenn du magst, wirf doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich zu genau dem Thema heute geschrieben habe: https://mutter-und-sohn.blog/2019/05/12/zum-muttertag-all-you-need-is-love-suesse-worte-machen-keine-rente/.
    Herzlichen Gruß, Sarah („Sunnybee“)

    Gefällt 1 Person

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